Eier für Hunde
Eier für Hunde und Katzen – roh oder gekocht?
Avidin, Biotin & Trypsinhemmstoffe verständlich erklärt
Eier gehören zu den Lebensmitteln, bei denen die Meinungen in der Fütterung von Hunden und Katzen weit auseinandergehen. Während sie für einige fester Bestandteil der Ration sind, gelten sie für andere als problematisch. Der Grund dafür liegt meist weniger im Ei selbst als in offenen Fragen zur richtigen Zubereitung und Einordnung seiner Inhaltsstoffe.
Dürfen Hunde und Katzen Eier fressen?
Und wenn ja: roh, gekocht oder getrennt nach Eigelb und Eiklar?
Kaum ein Lebensmittel wird in der BARF-Fütterung aber auch anderen Fütterungsarten so kontrovers diskutiert wie das Ei. Begriffe wie Avidin, Biotin oder Trypsinhemmstoffe tauchen regelmäßig auf, aber oft ohne saubere Einordnung.
Ganz roh? Nur Eigelb? Lieber gekocht?
In diesem Artikel erfährst du fundiert und verständlich, wie Eier sinnvoll in die Fütterung von Hunden und Katzen integriert werden können – ohne Mythen, aber mit Biochemie.
Sind Eier für Hunde und Katzen gesund?
Eier können in der Fütterung von Hunden und Katzen eingesetzt werden, sofern sie passend zubereitet werden.
Das Ei ist ein gut verfügbares und hochwertiges Lebensmittel mit einer beeindruckenden Nährstoffdichte. Sie liefern:
- sehr gut verwertbarem Protein
- Fett und essenzielle Fettsäuren (v. a. im Eigelb)
- B-Vitamine, insbesondere Biotin
- Vitamin A und D (ebenfalls Eigelb)
Für Hunde und Katzen können Eier eine sinnvolle Ergänzung der Ration sein, entscheidend ist jedoch die Form der Fütterung.
Eigelb und Eiklar – warum man sie getrennt betrachten muss
Ein Ei ist ernährungsphysiologisch kein einheitliches Lebensmittel. Eigelb und Eiklar erfüllen völlig unterschiedliche Funktionen.
Eigelb – der nährstoffreiche Teil
Das Eigelb enthält:
- Den Großteil der Fette (u. a. Linolsäure für Haut & Fell)
- Biotin (Vitamin B7)
- Vitamin A, Vitamin D und Vitamin E
- Cholesterin als Vorstufe wichtiger Hormone
Rohes Eigelb ist gut verdaulich und kann problemlos gefüttert werden.
Biotin ist dabei besonders interessant, weil es eine zentrale Rolle im Haut-, Fell- und Krallenstoffwechsel spielt. Im Eigelb liegt es in gut nutzbarer Form vor.
Eiklar – problematisch im rohen Zustand
Rohes Eiklar enthält zwei Stoffe, die ernährungsphysiologisch relevant sind:
Avidin
Avidin ist ein Glykoprotein im rohen Eiklar. Es bindet Biotin extrem fest, sodass dieses im Darm nicht mehr aufgenommen werden kann.
Wichtig zu wissen:
- Avidin ist hitzelabil
- Durch Erhitzen wird es vollständig inaktiviert
- Gekochtes Eiklar bindet kein Biotin mehr, Biotin ist zudem vergleichsweise hitzestabil.
Das bedeutet: Ein gekochtes Ei verliert sein Avidin, das Biotin bleibt größtenteils erhalten.
Avidin ist kein Mythos, sondern Biochemie.
Trypsinhemmstoffe
Trypsin ist ein Verdauungsenzym, das Proteine spaltet. Trypsin-Inhibitoren im rohen Eiklar blockieren dieses Enzym.
Mögliche Folgen bei Hund und Katze:
- schlechtere Proteinverwertung
- Blähungen
- weicher Kot
-
unnötige Belastung des Verdauungstrakts
Auch diese Hemmstoffe werden durch Erhitzen zuverlässig inaktiviert.
Blähungen nach rohem Ei sind also kein „Zufall“, sondern biochemisch erklärbar.
Kann durch rohe Eier ein Biotinmangel entstehen?
Biotinmangel entsteht nicht akut durch ein einzelnes oder gelegentlich gefüttertes rohes Ei. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit und die Menge an rohem Eiklar, die über einen längeren Zeitraum aufgenommen wird.
Das durch das Avidin gebundene Biotin kann im Darm nicht aufgenommen werden und steht dem Körper nicht mehr zur Verfügung. Wird über längere Zeit reines rohes Eiklar gefüttert, kann dies dazu führen, dass mehr Biotin gebunden als über die Gesamtration aufgenommen wird.
Bei der Fütterung ganzer roher Eier ist dieses Risiko deutlich geringer, da das Eigelb selbst Biotin liefert – eine relevante Unterversorgung ist hier nur bei häufiger, langfristiger Gabe von rohem Eiweiß und insgesamt biotinarmer Ration denkbar.
Das Risiko eines Biotinmangels ausschließlich bezogen auf die Fütterung von Eiern betrifft also vor allem die regelmäßige Fütterung von purem rohem Eiklar. Beim ganzen rohen Ei wird durch das biotinhaltige Eigelb ein Teil der Bindung kompensiert, sodass ein Mangel nur unter ungünstigen Gesamtbedingungen entstehen kann. Es wäre doch aber schade, Eier bewusst komplett roh zu servieren und auf das wertvolle Biotin zu verzichten.
Fazit:
Nicht das einzelne rohe Ei ist problematisch, sondern die wiederholte Fütterung ohne Ausgleich.
Genau deshalb wird in der Tierernährung nicht wegen akuter Toxizität, sondern aus präventiv-ernährungsphysiologischen Gründen vom rohen ganzen Ei abgeraten. Da Avidin hitzeempfindlich ist, lässt sich dieses Risiko durch einfaches Garen des Eiklars vollständig vermeiden – ohne nennenswerte Verluste an Biotin.
Rohes Ei für Hunde – warum „natürlich“ nicht automatisch besser ist
Oft wird argumentiert, dass ein Wolf sein Ei auch nicht kocht. Das ist korrekt, aber für die Fütterung von Haushunden und Katzen nicht relevant.
Hunde und Katzen:
- sollen optimal mit Nährstoffen versorgt werden
- leben deutlich länger als Wildtiere
- profitieren von ernährungsphysiologischer Optimierung
Das ganze rohe Ei vereint Avidin und Trypsinhemmstoffe und der vermeintliche „Natürlichkeitsbonus“ bringt hier keinen ernährungsphysiologischen Vorteil, eher das Gegenteil.
So ist Ei für Hunde und Katzen wirklich sinnvoll
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gibt es drei sinnvolle Varianten:
Variante 1 (optimal)
- Eigelb roh
- Eiklar gegart (gekocht, pochiert, gebraten)
Variante 2
- Ganzes Ei gekocht (weich bis hart)
Variante 3
- Rührei, Spiegelei oder Omlett (ohne Milch und Gewürze)
Alle drei Varianten:
- machen Avidin und Trypsinhemmstoffe unschädlich
- erhalten den Großteil der wertvollen Nährstoffe
- sind gut verdaulich
Eier für Katzen – besondere Hinweise
Katzen reagieren auf rohes Eiklar häufig empfindlicher als Hunde.
Für Katzen gilt besonders strikt: Kein rohes Eiklar füttern.
Eigelb roh oder das ganze Ei gegart ist die bessere Wahl.
Wie viele Eier dürfen Hunde und Katzen fressen?
Die Menge hängt davon ab, ob das Ei berechnet oder nur gelegentlich gefüttert wird.
Faustregel ohne Rationsberechnung
→ 1 Ei pro 10 kg Körpergewicht pro Woche
Berechnet als Bestandteil der Ration
→ Eier können in höherer Menge eingesetzt werden. Sie liefern hochwertiges und gut verdauliches Protein und können Muskelfleisch anteilig ersetzen. Das kann besonders bei Organerkrankungen eine Rolle spielen.
Dabei sollte im Blick gehalten werden, dass Eier sehr fettreich sind und dementsprechend auch ordentlich Kalorien liefern.
Eiergröße, Eigelb- und Eiklaranteil
Hühnereier werden im Handel nach ihrem Gewicht in die Größenklassen S bis XL eingeteilt. Ein Ei der Größe M wiegt in der Regel etwa 53–63 g und dient häufig als Referenz, wenn Fütterungsempfehlungen genannt werden – darauf bezieht sich auch die obige Empfehlung von 1 Ei pro 10kg Körpergewicht pro Woche.
Unabhängig von der Eiergröße bleibt die innere Zusammensetzung jedoch weitgehend konstant. Rund 60 % des Ei-Gewichts entfallen auf das Eiklar, etwa 30–33 % auf das Eigelb, die restlichen rund 10 % auf die Schale. Somit hat das Eigelb bei einem Ei der Gewichtsklasse M ungefähr 20g, während ungefähr 35g auf das Eiklar und ungefähr 5g auf die Schale entfallen.
Mit zunehmender Eiergröße steigen sowohl die absolute Menge an Eiklar als auch an Eigelb, das prozentuale Verhältnis verschiebt sich jedoch kaum. Größere Eier liefern damit insgesamt mehr Protein, Fett und Mikronährstoffe, ohne dass das Eigelb im Verhältnis deutlich überwiegt. Für die Fütterung von Hunden und Katzen bedeutet das, dass sich mit der Eiergröße vor allem die Kalorien- und Nährstoffmenge, nicht aber die grundsätzliche Zusammensetzung verändert.
Eier anderer Geflügelarten in der Fütterung von Hunden und Katzen
Neben dem Hühnerei können grundsätzlich auch Eier anderer Geflügelarten in der Fütterung von Hunden und Katzen verwendet werden, etwa Enten-, Gänse- oder Wachteleier.
In ihrer ernährungsphysiologischen Grundzusammensetzung unterscheiden sich diese Eier nicht grundsätzlich vom Hühnerei. Auch sie bestehen aus Eigelb und Eiklar mit vergleichbarer Verteilung von Protein, Fett und Mikronährstoffen. Unterschiede ergeben sich vor allem in Größe, Fettgehalt und Kaloriendichte, nicht jedoch in der grundsätzlichen Problematik von Avidin und Trypsinhemmstoffen. Diese sind auch in den Eiklaren anderer Vogelarten enthalten, sodass die gleichen Grundsätze gelten: Rohes Eiklar ist ernährungsphysiologisch ungünstig, gegartes Eiklar hingegen unproblematisch.
Entsprechend sollten auch Eier anderer Geflügelarten nicht roh im Ganzen verfüttert werden, sondern – wie das Hühnerei – entweder vollständig gegart oder mit rohem Eigelb und erhitztem Eiklar eingesetzt werden.
Eierschalen als Eierschalenpulver nutzen
Anfallende Eierschalen können grundsätzlich zu Eierschalenpulver weiterverarbeitet werden und stellen damit eine natürliche Calciumquelle dar. Voraussetzung ist eine sorgfältige Vorbereitung.
Die Schalen sollten nach dem Aufschlagen gründlich von Eiweißresten befreit und anschließend erhitzt werden, um Keime zuverlässig zu reduzieren. Dies kann durch kurzes Abkochen oder durch ausreichendes Erhitzen im Backofen erfolgen.
Nach vollständigem Trocknen lassen sich die Schalen sehr fein vermahlen, da die Calciumverfügbarkeit maßgeblich von der Partikelgröße abhängt. Außerdem können zerbrochene Eierschalen sehr scharfkantig sein, daher sollten sie nur fein vermahlen im napf landen.
Eierschalen bestehen zu etwa 90 % aus Calciumcarbonat und liefern entsprechend viel Calcium, jedoch keinen Phosphor. In der Fütterung von Hunden und Katzen eignet sich Eierschalenpulver daher ausschließlich als Calciumergänzung, nicht automatisch vollständiger als Knochenersatz, wie Knochenmehl. Für eine ausgewogene Ration ist es entscheidend, die eingesetzte Menge rechnerisch zu berücksichtigen, um ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis zu vermeiden.
Selbst hergestelltes Eierschalenpulver kann so sinnvoll eingesetzt werden, vorausgesetzt, Hygiene, Feinheit und Dosierung stimmen.
Fazit
Eier sind sinnvoll eingesetzt eine wertvolle Ergänzung einer Ration.
Nicht alles, was „roh“ ist, ist automatisch sinnvoll – und nicht alles Gekochte ist nährstofflich wertlos.
FAQ
Dürfen Hunde rohe Eier fressen?
Rohes Eigelb kann verfüttert werden, rohes Eiklar sollte vermieden werden.
Zerstört Kochen das Biotin im Ei?
Nein. Biotin ist relativ hitzestabil, die Verluste durch übliches Garen sind gering.
Warum bekommen manche Hunde Blähungen von rohen Eiern?
Ursächlich sind meist Trypsinhemmstoffe im rohen Eiklar, die die Eiweißverdauung beeinträchtigen können.
Sind Eier eine gute Biotinquelle für Hunde?
Ja. Vor allem das Eigelb liefert relevantes Biotin, sofern das Eiklar gegart oder getrennt gefüttert wird.
Kann durch rohe Eier ein Biotinmangel entstehen?
Nicht durch gelegentliche Gabe. Ein Risiko besteht vor allem bei regelmäßiger Fütterung von rohem Eiklar über längere Zeit.
Ist ein rohes ganzes Ei problematisch?
Ein einzelnes rohes Ei ist unkritisch. Regelmäßig gefüttert bietet das rohe Ganzei jedoch keinen ernährungsphysiologischen Vorteil.
Dürfen Katzen Eier fressen?
Ja. Für Katzen gilt jedoch besonders, dass rohes Eiklar vermieden werden sollte.
Spielt die Eiergröße eine Rolle?
Ja. Größere Eier liefern mehr Kalorien und Nährstoffe, das Verhältnis von Eigelb zu Eiklar bleibt jedoch ähnlich.
Können auch andere Eier als Hühnereier gefüttert werden?
Ja. Für Enten-, Gänse- oder Wachteleier gelten dieselben Grundsätze wie für Hühnereier.
Ist gefriergetrocknetes Ei unproblematisch?
Nein. Ohne Erhitzung bleiben Avidin und Trypsinhemmstoffe erhalten.
Kann man Eierschalen selbst zu Eierschalenpulver verarbeiten?
Ja. Nach gründlicher Reinigung, Erhitzung und feiner Vermahlung können Eierschalen als Calciumquelle genutzt werden, jedoch nicht als Knochenersatz.